Wildnispark Zürich: Mehr Licht ins Dunkel mit Fotofallen (CH)

 An einem Junimorgen tappt dieser Rothirsch im Bast am Albishorn in eine der Fotofallen.

Medienmitteilung 18/2010 aus dem Wildnispark Zürich

Die nachtaktiven Wildtiere im Sihlwald sind schwierig zu entdecken. Um diese Arten zu erfassen, führte die Studentin Jasmin Schnyder von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Wädenswil zusammen mit Mitarbeitenden des Wildnispark Zürich eine Arbeit aus, die auf der Fotofallentechnik basiert.

Arten, die tagsüber unterwegs sind, können oft in Direktbeobachtungen erfasst werden. Vor allem nachts aktive Arten hingegen geben noch immer viele Rätsel auf. Um ihnen auf die Spur zu kommen, sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Techniken entwickelt worden. Eine davon ist die Fotofallentechnik, die dank der digitalen Revolution nun Möglichkeiten bietet, etwas „Licht ins Dunkel der Nacht“ zu bringen.

Um die Artenpalette, die Verteilung im Raum und die tageszeitliche Verteilung mittelgrosser bis grosser Säugetiere im Sihlwald zu erfassen, wurden zwischen März und Juni während 548 so genannter Fallennächte insgesamt 20 handelsübliche Fotofallen gestellt. Die Arbeit wurde ausgeführt von Jasmin Schnyder, angehende Umweltingenieurin am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Wädenswil. Unterstützt durch Mitarbeitende des Wildnisparks Zürich und der Fachstelle WILMA der ZHAW stellte sie die 20 Fallen in zwei Transekten, die von der Sihl bis zur Kante der Albsikette führten. Neben der Artenpalette interessierte die Frage, ob sich Wildtiere mit einem Lockstoff vor die Kamera lotsen liessen oder ob ihnen der gewählte Lockstoff egal ist. So wurde einer der Transekten mit Lockstöcken versehen, der andere nicht.

Reh, Dachs und Fuchs
Trotz einiger technischer Probleme gelang es, insgesamt 168 Fotos herzustellen, auf denen das fotografierte Tier identifiziert werden konnte. Die Artenpalette ist mit 7 Säuger- und 4 Vogelarten vielfältig. Mit rund 40 Prozent der Bilder liegt das Reh vorne, gefolgt vom Dachs mit genau einem Drittel aller Fotos. Der Fuchs löste einen exakten Sechstel aller Bilder aus. Sechsmal liefen Steinmarder in die Fotofalle, und in Einzelbilder wurden Eichhörnchen, Waldmaus sowie Mäusebussard, Kohlmeise oder Stockente erfasst.

Verschiedene erwartete Arten, wie Hermelin oder Iltis konnten nicht registriert werden, und die leise Hoffnung, einen Baummarder zu erfassen, hat sich nicht erfüllt. Alle drei Arten können bei späteren Wiederholungen noch auftauchen.

Huftiere mögen Baldrian
Nicht erwartet werden konnte hingegen der Rothirsch. Obwohl die Art die Albiskette allmählich wieder besiedelt und somit auch im Wildnispark Zürich Sihlwald lebt, hielten es die Projektverantwortlichen für wenig wahrscheinlich, dass die scheuen Hirsche die Kameras auslösen würden. Zu Hilfe kam da offenbar der Lockstoff Baldrian. Während Füchse und Dachse sich in dieser Untersuchung kaum für den Lockstoff interessierten, scheint er für Huftiere attraktiv zu sein. Was, fragen wir uns, macht Baldrian für Huftiere interessant? Noch wissen wir es nicht!

Weitere Auskünfte:
Christian Stauffer,
Geschäftsführer Wildnispark Zürich
Tel. 044 722 55 18
oder christian.stauffer@wildnispark.ch

Klaus Robin, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW in Wädenswil; Leiter der Fachstelle für Wildtier- und Landschaftsmanagement WILMA Tel. 058 9345788 oder klaus.robin@zhaw.ch

Weitere Informationen zum
Wildnispark Zürich auf www.Ausflugsziele.ch

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